Neuendorfer Waldpfad

Neuendorfer Waldpfad - Übersicht

Antworten auf diese Fragen sowie eine Fülle weiterer Informationen und Eindrücke erhalten Sie an den folgenden 18 Stationen des Neuendorfer Waldpfades. Auf 2,5 km Wegstrecke können Sie sich über die Pflege und Bewirtschaftung des Neuendorfer Gemeindewaldes informieren, die einzigartige Waldstimmung genießen und an vielen Stationen auch selbst aktiv werden.

http://www.gpsies.com/map.do?fileId=loakyxdnnyrvxbud

Bilder von Eröffnungsveranstaltung am 25.09.2016

Stationen:


1. Ist Neuendorf Steinreich

Neuendorfer Waldpfad - Station 1
Neuendorfer Waldpfad - Sandsteine, Sitzecke

Bundsandstein ist recht arm an Nährstoffen. Daher ist der Spessart mehr von Wald als von Landwirtschaft geprägt. Für die Wahl der Baumarten ist der Boden entscheidend. Bäume, die Kalk im Boden bevorzugen, kommen hier kaum vor.
Die Bäume, die mit den wenigen Nährstoffen zurecht kommen, sind bisher wegen der ausreichenden Wasserversorgung aber recht gut gewachsen.
Die erwartete Klimaerwärmung ändert jedoch die Wuchsbedingungen. Experten haben für diesen Standort das derzeitige Anbaurisiko von Baumarten sowie das Anbaurisiko unter den erwarteten (befürchteten) Änderungen des Klimas beurteilt (Jahr 2100). Demnach kommen auf die Nadelhölzer mit Ausnahme der Douglasie schwierige Zeiten zu. Die Aussichten für Buche und Eiche dagegen sind besser.

Anbaurisiko verschiedener Baumarten

Nadelbaumarten: Jahr 2000 Jahr 2100
Fichte erhöht sehr hoch
Tanne gering sehr hoch
Kiefer gering sehr hoch
Lärche erhöht sehr hoch
Douglasie sehr gering erhöht
Laubbaumarten: Jahr 2000 Jahr 2100
Buche gering gering
Stieleiche sehr gering sehr gering
Traubeneiche sehr gering sehr gering


2. Was hat dieser Baum mit Schinken zu tun?

Neuendorfer Waldpfad - Station 2

Die Traubeneiche ist eine lichtbedürftige Baumart. In dichten Beständen wird sie von Schatten ertragenden Baumarten wie z.B. der Buche verdrängt. Daher gäbe es von der Natur aus kaum Eichen im Neuendorfer Gemeindewald. Derzeit beträgt ihr Anteil etwa 10%. Im Zuge von Durchforstungen fördern wir Eichen, indem wir Konkurrenten entnehmen. Hier wurde z.B. vor kurzem eine Buche gefällt, damit sich die benachbarten Eichen besser entwickeln können. So wollen wir den Eichenanteil halten.

Die Eiche wurde schon früh vom Menschen gegenüber anderen Baumarten gefördert. Nicht nur das dauerhafte Holz war begehrt. Die Leute trieben Schweine und andere Tiere in den Wald. Diese fraßen im Herbst besonders gerne Eicheln und entwickelten schöne Schinken. Im Neuendorfer Wald sind noch sehr viele dieser sogenannten "Hute-Eichen" im Wald zu entdecken.


3. Welche Baumart kommt zunehmend ins Schwitzen?

Neuendorfer Waldpfad - Station 3

Die Fichte ist eigentlich eine Baumart aus dem Gebirge und dem hohen Norden. Bei uns wächst sie sehr schnell und liefert hervorragendes Bauholz. Sie hat aber zunehmend Probleme mit dem Klimawandel. Dieser bringt mehr Stürme, und Borkenkäfer vermehren sich bei höheren Temperaturen schneller. Die Fichte ist gegenüber diesen beiden Gefahren besonders anfällig. Bei einem geringen Fichten-Anteil von nur 3% im Neuendorfer Gemeindewald können wir der risikoreichen Zukunft der Fichte gelassen entgegen schauen.


4. Wer ist die "Mutter des Waldes"?

Neuendorfer Waldpfad - Station 4

Die Buche erträgt viel Schatten und ist dadurch sehr konkurrenzstark. Daher würden im Neuendorfer Wald von Natur aus fast nur Buchen wachsen. Derzeit beträgt der Anteil im Gemeindewald 30%, Tendenz stark steigend! Bei den Neuendorfern mit Kachelofen ist sie wegen ihres hochwertigen Brennholzes sehr begehrt.


5. Welcher Nadelbaum hat oben eine orangefarbene Rinde?

Neuendorfer Waldpfad - Station 5

Die Kiefer ist mit einem Anteil von 49% derzeit die häufigste Baumart im Gemeindewald. Der Wald in Neuendorf war extrem übernutzt. Vor etwa 130 Jahren begannen die damaligen Förster, die stark aufgelichteten Wälder mit der anspruchslosen Kiefer wieder aufzuforsten. Diese enorme Kraftanstrengung der Vorfahren der Neuendorfer hat sich gelohnt! Im Vergleich zum Jahr 1852 beträgt heute der Holzvorrat je Hektar mehr als das zehn-fache.


6. Alle Wege führen nach Neuendorf!

Neuendorfer Waldpfad - Station 6

Hohlwege wie diese sind Zeugnisse einer intensiven Nutzung des Waldes. Im Neuendorfer Wald sind an vielen Stellen noch Hohlwege zu finden. Meist sind mehrere nebeneinander. War ein Weg wegen Schlamm mit einem Fuhrwerk nicht mehr nutzbar, wurde ein paar Meter daneben eine neue Spur eingefahren. So entstand vielerorts so wie hier ein ganzes Bündel an Hohlwegen. Stellenweise wurden sogar "Einbahnstraßen" mit Steinen markiert, so dass sich keine Fuhrwerke in einem engen Hohlweg begegneten.

Die Schummerungs-Aufnahme zeigt die Geländeoberfläche ohne Bewuchs. Die vielen Hohlwege sind gut darauf zu erkennen.


7. "Gute, alte Zeit"?

Neuendorfer Waldpfad - Station 7

Der Wald wurde früher intensiv und vielfältig genutzt! Holz war der Werkstoff schlechthin. Brennholz wurde im eigenen Herd verbrannt, ist aber als Hozkohle auch weiträumig gehandelt worden. Gerber nutzten die Rinde der Eichen wegen ihres hohen Gehaltes an Säure zum Gerben von Leder (Loh-Rinde). Die Streu wurde im Wald zusammengerecht, in die Ställe eingestreut und diente zusammen mit dem Mist als Dünger auf den Feldern. Für die Nährstoffversorgung des Waldes war dies katastrophal! Auch gemeindliches Personal wie Dorfschullehrer, Waldschütze, Kuh-, Schweine- und Gänsehirte wurde mit Walderzeugnissen bezahlt.

Das im Wappen abgebildete Schnitzmesser wurde unter anderem bei der Herstellung von Fässern (Fassdauben aus Eiche) verwendet. Früher bestanden die Fassreifen nicht aus Eisen, sondern wurden aus Haselnuss- oder Birken-Ruten geflochten. Auch dabei wurde das Schnitzmesser eingesetzt.


8. Wie sieht der Neuendorfer Wald der Zukunft aus?

Neuendorfer Waldpfad - Station 8
Neuendorfer Waldpfad - Baum mit Haltegriff

In dem Wald vor uns wachsen viele junge Bäumchen. Obwohl in der Nähe von Fichten, Lärchen, Eichen und Kiefern stehen, haben sich hier fast ausschließlich junge Buchen natürlich angesammelt. Dies ist ein typisches Bild für den Neuendorfer Wald.
Die Schatten ertragende Buche verdrängt mit ihrer Konkurrenzkraft die anderen Baumarten. Die Entwicklung hin zur natürlichen Baumartenzusammensetzung ist uns willkommen. Um dennoch den Wald etwas zu mischen, pflanzen wir stellenweise Weißtannen und in lichteren Bereichen auch Douglasien, Vogelkirschen und Esskastanien.


9. Baum ab - nein danke?

Neuendorfer Waldpfad - Station 9
Neuendorfer Waldpfad - Markierte Bäume

Hier sind drei Bäume markiert. Eine Fichte, eine Lärche und eine Eiche stehen recht eng beieinander und machen sich gegenseitig Konkurrenz. Um stabil und gut wachsen zu können braucht ein Baum viel Platz und eine große Krone. Langfristig kann sich keiner dieser drei Bäume gut entwickeln, weil sie zu wenig Licht für ihre Kronen haben.
In solchen Situationen greifen wir ein. Wir überlegen uns zuerst, welcher Baum gesund, stabil, wertvoll oder für die Artenvielfalt wichtig ist (Auslesebaum). Diesem Auslesebaum helfen wir, indem wir einen Konkurrenz-Baum entnehmen. In die entsprechende Lücke kann der Auslesebaum mit seiner Krone wachsen. So steuern wir mit Durchforstungen die natürlichen Abläufe, um einen gemischten, stabilen und wertvollen Wald zu erhalten.


10. Was versteckt sich da?

Neuendorfer Waldpfad - Station 10
Neuendorfer Waldpfad - Hochsitz

Rehe und Hirsche sind Teil des Lebensraumes Wald. Sie ernähren sich von den Knospen und Trieben junger Bäumchen. Insbesondere Baumarten, die nicht so häufig vorkommen, werden gerne verbissen. Nicht nur aus diesem Grund ist ein ausgewogener Wildbestand wichtig für einen gesunden Mischwald. Daher ist die Jagd ein wesentliches Element in der Entwicklung eines Waldes.
Wildschweine (Schwarzwild) prfitieren von wärmeren und schneearmen Wintern. Ihre Population wächst seit Jahren rasant.

Übriges: Wildfleisch vom örlichen Jäger ist gesund, regional "produziert", hat eine hervorragende Ökobilanz und schmeckt richtig gut!


11. Wer hat denn hier gearbeitet?

Neuendorfer Waldpfad - Station 11
Neuendorfer Waldpfad - Spechthöhle in Eiche

In, auf oder von einem Baum leben sehr viele verschiedene Tier-, Moss-, Flechten- und Pilzarten. Bäume mit größeren Faulstellen, Pilzbefall, Höhlen oder einem Horst bezeichnen wir als "Biotop-Baum". In Biotop-Bäumen und in Totholz finden besonders viele, sowie besonders spezialisierte und damit seltene Arten einen Lebensraum. Spechte, wie an dieser Eiche der Buntspecht, betreiben "sozialen Wohnungsbau" im Wald. Zahlreiche Nachmieter nuten die Spechthöhlen: z.B. andere Höhlenbrüter, Hornissen, Fledermäuse und Siebenschläfer. Die abgestorbenen Äste hoch oben in der besonnten Krone bieten für zahlreiche Insekten einen idealen Lebensraum. Am offenen Holzkörper am abgebrochenen Ast werden sich demnächst Pilze ansiedeln.
Die Gemeinde Neuendorf verzichtet auf die Nutzung von Biotopbäumen und leistet somit einen Beitrag zur Erhöhung der biologischen Vielfalt. Wir integrieren Naturschutz bei der Waldbewirtschaftung.


12. Rückegassen

Neuendorfer Waldpfad - Station 12
Neuendorfer Waldpfad - Harvester

Bei der Holzernte muss das Holz aus dem Waldbestand an den Weg kommen. Dazu fahren Maschinen in den Bestand - egal ob die Bäume mit der Motorsäge oder einem sogenannten Harvester gefällt und aufgearbeitet werden. Doch nahezu jede Befahrung des Waldbodens führt zu dessen Veränderung. Der Boden regeneriert sich von Verdichtungen nur sehr langsam. Daher darf der Wald nicht mehr flächig befahren werden, sondern nur noch auf sogenannten Rückegassen. So versuchen wir, Schäden einzugrenzen. In diesem Fall haben wir die Rückegasse auf einem alten Erdweg angelegt.
Rückegassen sehen nicht schön aus, bleiben aber dennoch ein notwendiges Übel, wenn nicht auf die Holznutzung verzichtet werden soll.


13. In Balance?

Neuendorfer Waldpfad - Station 13
Neuendorfer Waldpfad - Wippe

Der Wald erfüllt vielfältige Funktionen. Z.B. genießen Wanderer und Spaziergänger die frische Waldluft. Er bietet einen vielfältigen und naturnahen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Der Wald liefert aber auch den wertvollen Rohstoff Holz und schafft Arbeitsplätze.
Entsprechend vielfältig sind auch die Interessensgegensätze im Wald. Einige Beispiele:

Wir bemühen uns, bei der Bewirtschaftung des Gemeindewaldes eine vernüftige Balance zwischen vielen konkurrierenden Interessen zu finden.


14. Brennholz oder Heizöl?

Neuendorfer Waldpfad - Station 14
Neuendorfer Waldpfad - Heizöl, Brennholz

Vor Ihnen sehen Sie ein Fass Heizöl und etwas mehr als ein Ster Buchen-Brennholz. Beide haben ungefähr dne gleichen Heizwert. (1 Ster trockenes Buchenholz entspricht etwa dem Heizwert von 190 l Heizöl). Ob das Holz im Wald verrottet oder verbrannt wird, es wird nur das CO2 frei gesetzt, das im Laufe des Baumwachstums aus der Luft entnommen wurde. Daher ist Brennholz annähernd CO2-neutral. Beim Verbrennen fossiler Energieträger dagegen wird die Atmosphäre mit zusätzlichem CO2 belastet und beschleunigt die Erderwärmung.


15. Wöfür wird das Holz aus Neuendorf verwendet?

Neuendorfer Waldpfad - Station 15
Neuendorfer Waldpfad - Holzpfosten Diagramm

Jedes Jahr schlagen wir im Gemeindewald etwa 1300 Festmeter Holz ein. Im Durchschnitt werden 45 LKW.Ladungen Holz verkauft. Unser Holz wird für vielfältige Zwecke verwendet. Dazu sehen Sie vor sich in Form von Holzpfosten ein Diagramm. Die Höhe der Holzpfosten steht für die Menge des jeweiligen Holz-Sortiments (10 cm Pfostenhöhe entsprechen einer LKW-Ladung). Bauholz gefolgt von Brenn- und Palettenholz sind unsere wichtigsten Sortimente. Aber auch Dielen, Parkett und hochwertige Möbel werden aus Neuendorfer Holz gefertigt.


16. Waldxylophon

Neuendorfer Waldpfad - Station 16
Neuendorfer Waldpfad - Waldxylophon

Holz ist vielfältig! Die unterschiedlichen Eigenschaften verschiedener Holzarten werden seit Menschengedenken für alle möglichen Produkte genutzt. Die Vielfalt der Holzeigenschaften kann man auch hören! Der Ton variiert nicht nur mit der Länge und Durchmesser der Holzstäber. Er hängt auch von der Holzdichte, dem Wassergehalt und der Länge der Holzfasern ab.


17. Wald bietet Erholung

Neuendorfer Waldpfad - Station 17
Neuendorfer Waldpfad - Hängematte


18. Wald bietet Schutz

Neuendorfer Waldpfad - Station 18

Wald schützt den Boden vor Erosion und wirkt positiv auf den Wasserhaushalt.
Der Wald reduziert die Gefahr von Hochwasser, denn deutlich mehr als die Hälfte des Niederschlages über Wald wird wieder verdunstet. Durch zahlreiche Poren im Waldboden saugt dieser sich bei Regen voll und das Wasser versickert langsam in den Unterboden. Die Wurzeln der Bäume und der Bodenpflanzen halten den Boden fest und verhindern so Erosion.
Auf Freiflächen versickert mehr Wasser im Boden als im Wald. Das hat zur Folge, dass die Grundwasserneubildung auf landwirtschaftlich genutzten Flächen höher ist als im Wald. Doch Wald liefert Grundwasser stetig und in hervorragender Qualität.
(Als Nebeneffekt sorgt die Verdunstungskälte im sommer für ein angenehm kühles Waldklima.)

Mit einer Waldbewirtschaftung in Richtung Mischwald ohne Kahlschläge versuchen wir unseren Beitrag für Hochwasser- und Erosionsschutz zu leisten. Auch im Sinne eines gesunden Trinkwassers verzichten wir im Gemeindewald Neuendorf auf Dünger und Pestizide.


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