Neuendorf am Main

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Geschichte

Neuendorf liegt im Vorspessart und wird nach Süden hin vom Main abgegrenzt. Urkundlich wird der Ort am 27.Mai 1325 erstmals genannt. Die Gründung des Dorfes dürfte aber weiter zurückliegen. Nantenbach ist der ältere Teil der Gemeinde. Es wird vermutet , daß die Bezeichnung "Neuendorf" von der Bildung eines "neuen Dorfes" abgeleitet wurde. Die Bürger von Neuendorf und Nantenbach hatten in früherer Zeit oft wechselnden Lehensherren ihren Tribut zu zollen, u.a. an die Fürstbischöfe in Mainz, Amt Hanau, die Kellerei Lohr und die Grafen von Rieneck. Frohndienste waren zeitweise an das Amt Partenstein und Hohenroth zu leisten. Im Ortsteil Nantenbach waren im jetzigen Anwesen "Mainstraße 9" früher Zehnthaus und Zehntscheune untergebracht. Die Bevölkerung ernährte sich seit Generationen aus Produkten der eigenen Landwirtschaft, die auf kargem Buntsandsteinboden angebaut wurden. Bis vor sieben Jahrzehnten war Neuendorf ein rein landwirtschaftlich orientiertes Dorf, die Kleinbauern besserten ihren Unterhalt durch Waldarbeit, Reifenschneiden, Rindenschälen und Holztransporte zu den Ländeplätze am Main auf. In den zwanziger Jahren faßte in Neuendorf die Heimschneiderei Fuß und sorgte für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zwischen 1950 und 1960 ging die Landwirtschaft zurück, da sich bessere Verdienstmöglichkeiten, besonders im naheliegenden Lohr a. Main, boten. Heute hat der Ort nur noch ein Vollerwerbslandwirt. Damit ist ein Strukturwandel von einer ehemals landwirtschaftlich geprägten Gemeinde hin zu einer Wohngemeinde eingetreten. Im Zuge der Gemeindegebietsreform konnte Neuendorf seine Eigenständigkeit erhalten; die Gemeinde wurde der Verwaltungsgemeinschaft Lohr a. Main zugeordnet.

Kirchlich gehörten Neuendorf und Nantenbach früher zur katholischen Pfarrei Lohr a. Main, später zu Langenprozelten. Im Jahre 1717 wurde in Neuendorf eine kleine Filialkirche erbaut, die 1928/29 auf die heutige Bausubstanz erweitert wurde. Kirchenpatron ist der hl. Sebastian. Die Pfarrei hat seit 70 Jahren einen katholischen Geistlichen. Heute beträgt der Anteil der Katholiken rund 90 Prozent an der Dorfbevölkerung.

Die schulpflichtigen Kinder der Schuljahrgänge eins mit acht wurden bis zum Jahre 1967 im gemeindeeigenen Schulhaus in Neuendorf unterrichtet. Im Zuge der Schulneugliederung wurden ab 1967 die Jahrgänge fünf mit acht in Langenprozelten beschult, die Jahrgänge eins mit vier blieben bis 1974 in Neuendorf. Heute gehen alle Neuendorfer Kinder in die Grundschule Sackenbach bzw. in die Hauptschule Lohr a. Main.

Am örtlichen Kulturgeschehen beteiligen sich die Musikkapelle, die Fränkische Trachtenkapelle, "Schönrain Echo", der Sportverein, der FC Bayern Fan Club, ein Fasenachtsverein, die Feuerwehr und Rokreuzgemeinschaft, ein Gemischter Chor, der Kath. Frauenbund, der Obst- und Gartenbauverein, die Kolpingfamilie und die Pfarrjugend (ehemals Pfadfindergemeinschaft St. Georg). Seit neustem gibt es auch einen ComputerClub der unter anderem diese Homepage gestaltet. Für größere Veranstaltungen steht eine Mehrzweckhalle zur Verfügung. Für die verschiedenen Jugendgruppen wurde das alte "Hüttle" im Pfarrgarten renoviert und im November 1996 wieder eröffnet.

Die Gemeinde führt seit 1981 ein eigenes Wappen. In der Begründung hierzu heißt es: "Die Geschichte von Neuendorf wurde wesentlich durch die Grafen von Rieneck geprägt, an die im Gemeindewappen die Farben Rot und Gold errinnern. Die 1717 erbaute Kirche von Neuendorf ist dem hl. Sebastian geweiht. Dieses Patrozinium wird durch die gekreuzten Pfeile als Symbol dieses Heiligen dargestellt. An die über dreihundertjährige Tradition des Faßreifenschneiders und der Holzbearbeitung in Neuendorf und Nantenbach erinnert das Schälmesser. Auf der gegenüberliegenden Mainseite von Neuendorf befindet sich die Ruine des ehemaligen Klosters Schönrain, das nach seiner Aufhebung im 16. Jahrhundert von den Grafen von Rieneck als Schloß und Verwaltungsbau benutzt wurde. Im Wappen weist der Zinnschnitt auf diese Kloster- bzw. Schloßanlage hin."

Die aus dem Jahre 1901 stammende Wasserversorgung genügt nicht mehr den Anforderungen und wurde in den Jahren 1972 bis 1978 gründlich saniert. Die gemeindlichen Entwässerungseinrichtungen sind ebenfalls seit 1960 abschnittsweise saniert worden. Die Abwasseranlage konnte 1994 mit der Fertigstellung der Hauptsammelkanäle und der Kläranlage in Betrieb genommen werden. Der Friedhof wurde in den Jahren 1953 und 1970 vergrößert und vor wenigen Jahren im alten Friedhofsteil saniert.

Im Jahre 1995 wurde in neues Baugebiet "Am Thürlein" mit 42 Bauplätzen erschlossen. Durch den Neubau der "Nantenbacher Kurve" im Zuge der Bahnstrecke Aschaffenburg - Würzburg, sowie der Ortsumgehung im Zuge der B26 hat sich das Gesicht der Gemeinde Neuendorf wesentlich gewandelt. Die Gemeinde ist in das bayerische Dorferneuerungsprogramm seit ca. zwei Jahren aufgenommen. In behutsamer Planung und Bauausführung werden Dorfverschönerungsmaßnahmen angegangen.

Ein modernes Rathaus mit Mehrzweckraum für Ortsvereine, ein neuer Kindergarten sowie der vom SV Neuendorf neu gebaute Sportplatz und Sportheim zeigen Gemeinschaftssinn und vielfältige Aktivitäten in der Gemeinde auf. Im vergangenen Jahr konnte mit Hilfe des Straßenbauamtes Würzburg die Radwegverbindung entlang des Maines zwischen Gemünden-Langenprozelten und Neuendorf-Nantenbach hergestellt werden. Jetzt gilt es die Lücke zwischen Neuendorf-Nantenbach und Lohr a. Main zu schließen. Die Verhandlungen sind seit längerer Zeit im Gange.

An Industrieansiedlungen ist ein metallverarbeitender (Drahtbiegeteile) Betrieb, eine Spezialfirma für Anbaugeräte an Maschinen, ein Betonwerk für hauptsächlich Fertigteildecken, sowie eine Karosseriewerkstätte zu nennen. Neuendorf hatte von 1901 bis zum Jahre 1982 eine eigene Bahnstation. Heute wird die Gemeinde nur noch mit Straßenbussen über die B26 bedient. Neuendorf ist eine waldreiche Gemeinde. In der 965 Hektar großen Gemarkung befinden sich 171 Hektar der ca. 700 Hektar umfassenden Waldfläche im Besitz der Gemeinde. Hierfür hat die Gemeinde 8,5 km LKW-befahrbare Waldwege ausgebaut. Die Gemeinde hat rund 950 Einwohner.